
Wer im Jahr 2025 queer reist, findet weltweit so viele offene und sichere Reiseziele wie nie zuvor. Der Spartacus Gay Travel Index hat in diesem Jahr gleich fünf Favoriten – basierend auf rechtlichen Standards, gesellschaftlicher Akzeptanz und touristischer Infrastruktur.

An der Spitze: Kanada, Malta, Spanien, Portugal und erstmals Island. Aber auch Deutschland, Neuseeland, Australien und Thailand bieten spannende Reiseziele für alle, die Vielfalt nicht nur im Reisekatalog suchen, sondern auch im Alltag erleben wollen.
Kanada bleibt Klassenprimus
An Kanada führt nach wie vor kaum ein Weg vorbei, wenn es um queerfreundliches Reisen geht. Das Land verbindet rechtliche Gleichstellung mit einer aktiven queeren Community – und das nicht nur in den Großstädten. Toronto etwa wird im Juni wieder zum Hotspot: Beim Pride Month mit Parade, Trans March und vielen Kulturveranstaltungen feiert sich die Stadt als Symbol gelebter Vielfalt.
„Kanada lebt Inklusion, nicht nur in den Metropolen“, erklärt die Organisation Egale Canada. Auch Montréal mit seinem historischen Gay Village oder Vancouver mit seinen Stränden und LGBTI-Bars zeigen, wie selbstverständlich queeres Leben hier ist – und das buchstäblich bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.
Vom Mittelmeer bis zum Nordatlantik: Europas Vielfalt
Wer es lieber sonnig mag, findet rund um das Mittelmeer zahlreiche Reiseziele, die nicht nur schöne Strände, sondern auch gelebte Offenheit bieten. Spanien zum Beispiel überzeugt mit einer langen Tradition von Pride-Feiern. In Madrid verwandelt sich die Innenstadt Ende Juni in ein riesiges Straßenfest – bis zu zwei Millionen Menschen feiern bei der MADO (Madrid Orgullo), einer der größten Pride-Veranstaltungen weltweit. Barcelona wiederum lädt im August zum „Circuit Festival“, bei dem Clubnächte, Poolpartys und Kultur aufeinandertreffen.

Gleich nebenan macht sich Portugal als Top-Destination einen Namen. Lissabon und Porto punkten mit zunehmender Sichtbarkeit und lokalen Prides im Juni. Wer es ruhiger mag, findet an der Algarve queerfreundliche Unterkünfte und eine entspannte Atmosphäre – besonders in der Vorsaison im Mai oder im Spätsommer im September.

Malta, lange Zeit ein Geheimtipp, hat sich längst als queerpolitisches Vorzeigeland etabliert. Die Mittelmeerinsel bietet strenge Antidiskriminierungsgesetze, eine fortschrittliche Transgesetzgebung und ein wachsendes Netzwerk queerfreundlicher Unterkünfte. Die Sommermonate sind ideal für eine Mischung aus Kultur, Nachtleben und Strandurlaub.
Ein Kontrast zur mediterranen Sonne – aber auch ein Zeichen für Vielfalt – ist Island. Das kleine Land im Nordatlantik hat es 2025 erstmals in die Spitzengruppe des Rankings geschafft. Reykjavík ist das Zentrum des queeren Lebens, dessen Höhepunkt die Reykjavík Pride Ende August ist. Neben der Parade bietet das Festival Filmvorführungen, Debatten und Konzerte. Die LGBTI-Organisation Samtökin ’78 berichtet: „Wir erleben eine steigende Zahl queerer Tourist*innen“ – ein Zeichen dafür, dass Offenheit und Naturerlebnis auch im Norden gut zusammen gehen.
Deutschland und Neuseeland: Zwei Kulturen, ein Platz

Auch Deutschland zeigt sich im Jahr 2025 von seiner offenen Seite. Berlin bleibt ein Magnet für queere Menschen aus aller Welt: Der CSD im Juli, das queere Filmfestival im Herbst und die lebendige Clubszene machen die Stadt das ganze Jahr über attraktiv. Aber auch Köln, Hamburg und Leipzig bieten eigene Szenen mit wachsender Vielfalt. Der Juni gilt vielerorts als bester Reisemonat – mit Prides, Straßenfesten und angenehmem Klima.
Fast am anderen Ende der Welt setzt Neuseeland ähnliche Maßstäbe. Auckland etwa feiert im Februar das Big Gay Out, ein großes Familienfest mit Musik, Infoständen und politischen Statements. In Wellington und Christchurch zeigt sich das Land mit kleinen, aber aktiven Szenen. Besonders spannend: die Sichtbarkeit indigener queerer Identitäten wie Takatāpui, die in Neuseeland bewusst gefördert wird.
Von Down Under nach Südamerika: Vielfalt auf neuen Wegen
Wer den Winter auf der Südhalbkugel verbringen will, findet auch in Australien queerfreundliche Bedingungen. Aushängeschild bleibt Sydney mit der weltberühmten „Mardi Gras“-Parade im Februar. Melbourne zieht mit dem Queer Film Festival im März nach – eine gute Gelegenheit, Kultur und queeres Leben zu verbinden.

Ähnlich liberal zeigt sich Norwegen – mit Oslo als Zentrum. Der Oslo Pride im Juni verbindet politische Veranstaltungen mit Paraden und Partys, während die helle Jahreszeit für ausgiebige Outdoor-Erlebnisse sorgt.
In Südamerika gehört Uruguay zu den queerfreundlichsten Ländern. Das oft übersehene Montevideo überrascht mit einer starken Community, vielen kulturellen Angeboten und der Marcha por la Diversidad“ im September. Der milde Frühling ist die ideale Reisezeit – bevor es zu heiss wird.
Auch die Schweiz ist 2025 ganz vorne mit dabei. Zürich ist längst mehr als eine Bankenmetropole: Das Zurich Pride Festival im Juni zieht Gäste aus ganz Europa an, und auch in Genf und Basel wächst die Szene. Seit 2022 ist die Ehe für alle Gesetz – und damit beginnt laut dem Netzwerk Pink Cross „eine neue Ära der Sichtbarkeit“.
Thailand überrascht mit Fortschritten
Einen besonders großen Sprung im Ranking machte Thailand: Das Land kletterte von Platz 54 auf 41 – dank der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe. Thailand ist damit das erste Land in Südostasien, das diesen Schritt vollzogen hat.

Bangkok war schon lange für seine queere Szene bekannt – mit Drag-Shows, Bars und Partys rund um die Silom Road. Doch nun macht auch Chiang Mai im Norden mit ruhigeren, aber aktiven Treffpunkten auf sich aufmerksam. Phuket lockt mit LGBTQ+-freundlichen Resorts und Stränden.
Die beste Reisezeit ist zwischen November und Februar mit mildem Klima und geringer Luftfeuchtigkeit. Laut der Organisation APCOM ist die Gesetzesreform „ein echter Fortschritt, nicht nur Symbolik“.